Freitag, 29. Juli 2011

Twitter (Teil II)

Im Artikel Twitter vom 21.04.2011 habe ich grob erklärt, was Twitter ist und wozu es gut ist. Diesmal will ich versuchen, noch einen (oder auch mehrere) Schritt(e) weiter zu gehen.


Als erstes stellt sich in der Regel "Wozu ist Twitter überhaupt gut?". Die Antwort auf diese Frage kann kein universelles "Dafür: ..." sein. So individuell wie der Mensch so auch die Nutzung eines Dienstes. Daher erlaube ich mir die Frage so zu stellen: Wie kann ich Twitter für mich am besten nutzen, welches Ziel verfolge ich?
  • Networking
    Klar, wie bei allen Social Media Portalen will man eine Vernetzung erreichen. Im privaten, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben, zu sehen, was die anderen treiben und natürlich auch selbst der Welt da draußen mitteilen, was mit einem momentan passiert,was einen bewegt. Aber genauso interessant ist es für Firmen - und das auf ebenfalls beiden Wegen. Verständlich ist jedem sofort, dass eine Firmenkommunikation nach außen in einem großen Netzwerk schnell und einfach von statten geht. Ein neues Produkt soll beworben werden? Kein Problem, ein einfacher Link auf die eigene Webseite kombiniert mit einem klickfreudigen Satz und schon holt man sich seine Follower (seine Zielgruppe!) auf die Seite - und dies mit geringstmöglichem Streuverlust, da die Follower ja bereits Interessierte sind. Feedbacks erhält man anhand von ReTweets (Finden die User gefallen an einem Tweet, dann verbreiten sie ihn auch weiter), Fav's (also die Favorisierung eines Tweets) oder auch Replies (Schließlich soll der Kommunikation nichts im Wege stehen, Antworten sind also jederzeit möglich). Damit kommen wir auch schon zu den Tücken des Twitter-Accounts. Anders als z. B. bei Facebook muss man sich bei Twitter "kümmern". Wer nichts schreibt, dem wird auch nicht gefolgt. Wer nicht antwortet, wird bald ein paar enttäuschte Follower verlieren. Und außerdem: Die Kunst ist es, erst einmal Follower zu bekommen! Dazu aber später mehr.
  • Nachrichten
    Ja, richtig eingesetzt hat man mit Twitter einen Nachrichtendienst, den ich gerne als den schnellsten der Welt bezeichne. Verfolgt man ein bestimmtes Thema (wir erinnern uns an die Hash-Tags), so bekommt man auf's Ganze gesehen einen relativ unverzerrten Eindruck der Stimmung und der Vorgänge. Als Beispiel nehme ich hier mal die #spanishrevolution, welche in den Anfängen in den großen bekannten Medien hierzulande keine oder kaum Erwähnung fand. Erst später, teilweise um zwei Tage versetzt, haben auch hierzulande Zeitung und Fernsehen von den Vorgängen in Spanien berichtet. Umgekehrt ist es natürlich auch möglich, Nachrichten zu verbreiten - selbst verfasste oder auch nur durch ReTweets. Allerdings setzen mittlerweile auch immer mehr Nachrichten-Dienste auf Twitter. Ein Beispiel dafür ist sicherlich dpa_infoline, wobei mir persönlich zu wenige Nachrichten des Weg via Twitter ins Netz finden.
  • Information
    Zum einen kann man sich, wie bei den Nachrichten schon erwähnt, durch das Suchen bestimmter Tags informieren, zum anderen helfen aber auch spezialisierte Accounts weiter. Auch hier würde ich gerne ein Beispiel angeben, in diesem Falle Google. Es ist natürlich kein Wunder, dass man bei Google weiß, wie das Internet funktioniert und wie man Kunden und Fans am besten mit Informationen versorgt. So gibt es bei Google eine Vielzahl von Twitter-Accounts, von denen ich hier gerne ein paar aufzählen würde: @google (Der Support von Google),@GoogleChrome (Rund um den Browser),@GoogleMobile (News und Infos zu mobilen Google-Diensten und -Produkten) und @AndroidDev. Hinzu kommen eigene Accounts für Google Docs, Calendar usw. Man sieht, Google deckt alle Produktbereiche und Services mit einem eigenen Account ab. Voraussetzung für das "Funktionieren" ist natürlich, dass die Accounts auch betreut werden.
  • Arbeitssuche
    Unglaublich, aber wahr: Sogar das Arbeitsamt kann mit Twitter ersetzt werden! Ok, relativieren wir da mal: Natürlich geht es hier um recht spezielle Berufsgruppen, bei denen eh eine hohe Internet-Affinität gefragt ist. Abgesehen von der Möglichkeit, dass ein Unternehmen über Twitter eine Job-Ausschreibung unternimmt, kommt einem eventuell auch hier das eigene Netzwerk zugute. In der Regel folgt man Personen bzw. Institutionen, welche ähnliche Interessen haben oder beruflich äquivalent orientiert sind (oder zumindest recht ähnlich aufgestellt). Die weiteren privaten Kontakte lassen wir hier kurz einmal außen vor, wobei natürlich auch Freunde manchmal die richtige Beziehung zu einem Arbeitsanbieter haben. Es kann also nie schaden, sich einen guten, 140 Zeichen langen Bewerbungstext zurecht zu legen und diesen in die Timeline zu setzen - Verlinkung zu einer weiterführenden Webseite eingeschlossen. Allerdings gilt auch hier: Es gibt Zeiten, die ungünstig für Vorstellungen sind...
  • Unterhaltung
    Ich glaube niemanden zu kennen, der nicht mindestens einem Account zu reinen Unterhaltungszwecken folgt. Es ist ja auch ganz natürlich, dass man ab und an mal ein wenig Abwechslung braucht, um sich anschließend mit neuem Elan... Ach, lassen wir das, es ist wohl jedem klar, worauf ich hinaus will. Kleine Empfehlung gefällig? @dieternuhr
  • Freundschaft
    Klar, echte Freundschaften werden sich nicht aufbauen lassen, indem man sich nur anhand von 140 Zeichen trifft und einschätzt, doch lassen sich auf jeden Fall neue und interessante Menschen kennen lernen. Freundschaften lassen sich gut pflegen, indem man auf dem laufenden bleibt beziehungsweise hält. Ich hörte sogar bereits Gerüchte, nach denen sich Familien untereinander schnell mit dem neuesten Tratsch versorgen. Warum auch nicht. Bitte dabei nicht vergessen: So manches gehört einfach nicht in die Timeline.
Mit Sicherheit gibt es noch einige Gründe mehr, die für Twitter sprechen, aber ich denke (und hoffe), hier die wichtigsten abgedeckt zu haben. Wer jetzt noch keinen Account bei Twitter hat, sich nun allerdings vor Neugierde kaum halten kann, dem will ich noch schnell ein paar Dinge mit auf den Weg geben:

Twitter funktioniert für einen nur, wenn derjenige auch weiß, wie er damit umzugehen hat. Und der Spaß (und die damit einhergehende Faszination) kommt nur dann auf, wenn auch das Interesse anderer am eigenen Schreiben geweckt werden kann. Darum sollte man folgende fünf Schritte unternehmen, um sich interessant zu machen:
  1. Schreibe ein wenig in deine Bio. Nimm dir nicht mich als Beispiel dafür! ;)
  2. Versehe deinen Account mit einem Bild.
  3. Investiere ein wenig Zeit in die Gestaltung deiner Page, damit Du dich ein wenig abhebst. Ein nettes Hintergrundbild macht eine Menge aus!
  4. Suche nach interessanten Leuten, folge ihnen. Twitter funktioniert nur mit Networking. Bist Du interessant, werden Dir auch Leute folgen bzw. "zurückfolgen"
  5. Schreibe. Tweete. Retweete. Je mehr Du selbst schreibst, desto mehr "Gleichgesinnte" wirst Du finden.
Ich hoffe, dass dies erstmal ausreicht. Die Twitter-Serie werde ich auf jeden Fall weiter ausbauen und hoffe auf ein wenig Resonanz vom geneigten Leser. Um auf dem laufenden zu bleiben empfehle ich, mir auf Twitter zu folgen... :)

Im Original gepostet am: 23. Mai 2011